Leonard Petersen

© Pablo Ruiz

Biografie

Stilistische Vielseitigkeit sowie ein herausragendes dramaturgisches Gespür sind zwei der Qualitäten, die dem Filmkomponisten Leonard Petersen, der noch während seines Studiums an der Filmuniversität Babelsberg mit dem Deutschen Filmmusikpreis sowie dem Franz-Grothe-Preis geehrt wurde, zugeschrieben werden. Sein Werk umfasst Soundtracks für mittlerweile über fünfundzwanzig Produktionen, darunter der interaktive Fortsetzungsfilm Move On des Regisseurs Asger Leth (in der Hauptrolle Mads Mikkelsen), für den Petersen zusätzliche Scoremusik komponierte.

„Endlich einmal echtes Kino [...] und einfach nur grandiose Musik“, urteilt der Filmkritiker Rüdiger Suchsland über Petersens Filmkomposition für Sebastian Hilgers Film Wir sind die Flut, der seine Premiere auf der letztjährigen Berlinale feierte. Dem schließt sich Lukas Stern im SPIEGEL an - er preist „die minimalen, in Schleife laufenden Melodiefiguren [des Scores], die den Raum mit dem Gesetz eines ständigen Rückfalls in der Zeit belasten. So präzise und virtuos sieht man eine kinematografische Etüde im deutschen Nachwuchsfilm selten“.

Über Petersens Filmscore für Der Bunker (Regie: Nikias Chryssos) schreibt der Hollywood Reporter anlässlich der Berlinale-Premiere 2015: „Leonard Petersen’s ambient score perfectly complements the film’s rich soundscape“.

Zu seinen jüngsten Arbeiten zählt die Filmmusik für den Kinospielfilm Blind und Hässlich von Tom Lass sowie der Score für Nina Vukovics Kinospielfilm Detour, die ihre Festivalpremiere auf dem Filmfest München hatten.

Petersen studierte Musik mit Schwerpunkt Violoncello an der Universität der Künste Berlin sowie Filmkomposition an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und schloß sein Studium als Meisterschüler von Karim Sebastian Elias ab. Er arbeitet in Berlin als freischaffender Filmkomponist für Kino und Fernsehen und unterrichtet seit 2010 auch Seminare im Bereich Musik­produktion an der Universität der Künste Berlin.

 


Film

Detour, 2017
Regie: Nina Vukovic
Kinospielfilm
Int. Premiere Filmfest München 2017

Blind & Hässlich, 2016
Regie: Tom Lass
Kinospielfilm
Int. Premiere Filmfest München 2017

Euphoryaa, 2016
Regie: Christian Klinger
Kinospielfilm

Wann endlich küsst du mich, 2016
Regie: Julia Ziesche
Kinospielfilm
Int. Premiere: 40th Montreal World Film Festival
D Premiere: Max-Ophüls-Preis 2017

Wir sind die Flut, 2016
Regie: Sebastian Hilger
Kinospielfilm
Int. Premiere: 21st Busan International Film Festival 2016
D Premiere: 66. Berlinale

After Spring Comes Fall, 2015
Regie: Daniel Carsenty
Kinospielfilm

Gewitterzellen, 2015
Regie: Jakob Schmid
RBB Movie

Der Bunker, 2015
Regie: Nikias Chryssos
Kinospielfilm
D Premiere: 65. Berlinale

Iwan und der Wolf, 2015
Regie: Anna Levinson
Serienpilot Animation

Histeria, 2013
Regie: Katinka Narjes
Kurzfilm

Der Weihnachtskrieg, 2013
Regie: Oliver Dommenget
Fernsehfilm


Am Anfang, 2013
Regie: Josephine Links
Dokumentarfilm


Zelim’s Confession, 2013
Regie: Natalia Mikhaylova
Dokumentarfilm

Über uns Elektrizität, 2012
Regie: Christian Johannes Koch

Kurzfilm
Int. Premiere: Festival Premiers Plans, Angers, Frankreich
International Film Festival San Sebastian



FILMKOMPOSITION

BLIND & HÄSSLICH

Regie: Tom Lass
Musik: Leonard Petersen

Ferdi findet sich hässlich – aber wie schön, dass Jona an ihm Interesse zeigt. Liegt wohl daran, dass sie blind ist. Was Ferdi nicht weiß: Jona tut nur so, als ob sie blind ist. Um möglichst billig in einer Blinden-WG wohnen zu können. Wie lange kann sie diese Täuschung aufrechterhalten? Wie kann die Liebe, die ja ohnehin blind macht, so überhaupt funktionieren? Regisseur Tom Lass schaut genau hin, drehte mit blinden Darstellern und alten Berliner Bekannten, übernahm die Hauptrolle – und würdigt eine Wahrnehmung der Welt jenseits unserer Sichtweisen.

Seine Weltpremiere feierte der von Leonard Petersen vertonte Film auf dem Filmfest München 2017.

FILMKOMPOSITION

DETOUR

Regie: Nina Vokuvic
Musik: Leonard Petersen

Alma und Jan haben eine Affäre, doch Jan will sich nicht dazu bekennen. Um ihn zu einem Bekenntnis zu ihrer Beziehung zu zwingen, nimmt Alma Jans kleinen Sohn Juri heimlich mit auf eine Reise. Mit dem Lieferanten Bruno fahren die beiden nach Berlin. Auf einer Raststätte versucht er Alma auf unbeholfene Weise näher zu kommen, doch sie blockt ab. Damit verletzt Alma ihn unwissentlich derart, dass er alle Hemmungen fallen lässt. Während Bruno bis dahin nur heimlich mit der Hoffnung spielte, Kontakt zu knüpfen, will er sich nun nehmen, was ihm verweigert wurde. Ein albtraumhafter Psychothriller von Nina Vukovic.

Weltpremiere: Filmfest München 2017

FILMMUSIK

DER BUNKER

Regie: Nikias Chryssos
Musik: Leonard Petersen

Ein junger Student quartiert sich als Untermieter bei einer Familie im Wald ein, um sich in der Ruhe und Abgeschiedenheit ihres unterirdischen Bunkers auf eine wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren. Die Gastfamilie empfängt ihn mit großer Freundlichkeit, anfangs scheint alles gut. Doch nach einer Weile spannen die Eltern den Studenten mehr und mehr als Hauslehrer für ihren achtjährigen Sohn Klaus ein, der bisher exklusiv vom Vater zuhause unterrichtet wurde. Der Junge soll eine umfassend gebildete Persönlichkeit werden – Studien des globalen Finanzsystems und der machiavellistischen Lehre inklusive. Während der Student immer weniger dazu kommt, sich um seine eigene Arbeit zu kümmern, zeigen sich in der familiären Fassade bald Risse. Ein höchst neurotisches Beziehungsgefüge kommt zum Vorschein, unter dem vor allem der kleine Klaus leidet. Von den maßlosen Ansprüchen der Eltern völlig überfordert, bleibt ihm kein Platz für Spiel und Ausgelassenheit. Als der Student sich mit ihm gegen die herrischen Eltern verbrüdert, droht die Situation zu eskalieren.

Premiere: 65. Berlinale 2015